Ich hab gerade einen absolut schwierige Fall auf dem Tisch! 5 fantastische Weine, aber ich finde nicht die passenden Worte und das beschäftigt mich nun schon seit Tagen. Klar, ich könnte mal schnell die diversen Aromen aufzählen, bestätigen dass es sich um gute Weine handelt und darauf verweisen, dass viele andere Verkoster, inklusive Gambero Rosso, der gleichen Meinung sind, fertig!
Aber mich interessiert, was ist das besondere an diesen Weinen? Was fasziniert mich daran? Wie schaffe ich es, das was in mir vorgeht in Worte zu fassen? Wie schaffe ich es, dass beim Leser ein Bild von diesem Wein im Kopf entsteht?
Heute haben wir kaum noch fehlerhafte Weine auf dem Markt. Somit stellt sich nicht mehr die Frage: guter Wein, schlechter Wein? Sondern die Frage, welcher Wein berührt mich und welcher läßt mich kalt?
Langweilige und spannende Weine
Für mich gibt es jede Menge langweilige Weine und dann die Weine, die mich beschäftigen, die mich fordern, die mich erst einmal unschlüssig zurücklassen, also spannende Weine.
Und genau diese entscheidende Frage kann ich nicht objektiv beantworten! Da ist die klassische Weinbewertung mit ihrem Anspruch auf Objektivität, blind verkostet und die Punkte eines Verkostungsgremiums quer gerechnet einfach am Ende. Da ist Meinung gefragt und da ist jemand gefordert, der diese Meinung auch vertritt.
In wie weit soll ich überhaupt versuchen objektiv zu sein? Oder soll ich einfach meine Meinung sagen und sie als Leser entscheiden, ob sie diese Meinung interessant finden und in Ihre Entscheidung einbezieht? Wein ist ein emotionales Produkt, welches den Charakter der an seiner Herstellung beteiligten Menschen ausdrückt. Und so braucht ein guter Wein auch eine emotionale Weinbeschreibung!
Weinbewertung – die schwierigen Fälle
Wie gewichtet man nun diese Faktoren bei der Bewertung? Bei einem Wein, wie den Anarkos 2008 ist die Frage der Bewertung einfach zu beantworten. Er bietet unglaublich viel Wein für kleines Geld oder anders ausgedrückt, er bietet erheblich mehr Trinkspaß, als man für einen Preis von unter 5 € erwarten kann. Also Höchstbewertung!
Schwieriger wird es bei diesen Prosecco Spumante von Nino Franco. Fünf verschiedene Qualitäten und jede ist absolut eigenständig. Die Faszination liegt also auch in der Vielfalt, im Ensemble. Ein Bewertung des Ensemble ist nicht vorgesehen und die Preise sind so, dass man dafür auch etwas erwarten kann…
Für mich war es einfach ein unglaublicher Spaß, diese Qualitäten immer wieder neben einander zu probieren. Verschiedene Lagen, unterschiedliche Dosage und die Erkenntnis über welche Bandbreite eine Rebsorte wie Prosecco verfügt, wie vielfältig diese in der Aromatik sein kann.
Die etwas andere Prosecco-Verkostung!
Und die Erkenntnis, wir brauchen noch mehr Emotionen im Wein, aber auch in den Weinbeschreibungen! Und ich brauche eine eigene Kategorie für diese schwierigen, aber auch ungemein interessanten Weine!
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Hallo Michael,
lustig, wir hatten diese Diskussion auch gestern Abend beim 01 Müller-Catoir “Haardter Herrenletten” Spätlese, der letzten Jahrgang von HG Schwarz. Ich hab dann zu Nikolai “Weinschlumpf” gesagt, es macht eigentlich keinen Sinn über solche Weine bzw. “magic moments” zu schreiben, man muß diesen Wein im Mund haben und genießen. Irgendwelche Früchte etc. auflisten……vergiss es.
Ich erkenne herausragende Wein immer an ihrer Balance, Harmonie…….alle Elemente sind am richtigen Platz. Es ist ein gewisses Bauchgefühl und ich kann es auch nicht in Worte fassen.
Alles Gute,
Martin