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Wein aus Italien – vdt, IGT, DOC oder DOCG?

5. Februar 2010 | Von Michael Liebert | Kategorie: Fragen an den Sommelier

vdt, igt, DOC, DOCG – die 4 Qualitätskategorien beim italienischen Wein

DOCG-DOC-IGT-vdt - die Qualitätspyramide des italienischen Weins

DOCG-DOC-IGT-vdt - die Qualitätspyramide des ital. Weins

Die bekannteste Bezeichnung ist sicherlich das DOC (Denominazione di Origine Controllata), also der Qualitätswein mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung. Im Gegensatz zu Deutschland, wo etwa 97% der Weine als Qualitätsweine vermarktet werden, sind die Bezeichnung DOC und DOCG nur auf etwa 30% der italienischen Weine zu finden. Aber jetzt einmal der Reihe nach. Es gibt 4 Stufen im italienischen Weinrecht. die Basis bilden die Vino da tavola, die Spitze die DOCG.

  1. DOCG – die Spitzenweine! Nur etwa 5% der italienischen Weine fallen in diese Kategorie
  2. DOC – der Qualitätswein. Etwa 25% der italienischen Weinproduktion darf sich mit diesem Prädikat schmücken
  3. IGT – der italienische Landwein. Etwa 30% der Weine werden mit einer geografischen Herkunftsbezeichnung abgefüllt.
  4. vino da tavola – der Basiswein für alle Tage. Kaum Auflagen, kaum Papierkrieg und so findet sich in dieser Kategorie alles, was nicht gut genug für eine der anderen Bezeichnungen ist oder die Weine, bei denen der Produzent einfach den Aufwand und den Papierkrieg scheut… Etwa 40% der italienischen Weine werden so vermarktet!

DOCG – die italienischen Spitzenweine

Die Bezeichnung gibt es seit 1992, der letzten großen Reform des Systems. Man hat dem DOC einfach noch ein G für Garantita angehängt. Der Staat kontrolliert also nicht nur die Herkunft, sondern garantiert sie bei diesem System sogar (DOCG = Denominazione di Origine Controllata e Garantita). Er kann aber auch bei diesen Weinen nur die Herkunft und nicht die Qualität garantieren, auch wenn man in dieser Königsklasse des italienischen Weins versucht hat, eine lückenlose Kontrolle einzuführen.

Die Weine stehen nur für etwa 5% der italienischen Produktion, aber für fast 100% des Renommee, des italienischen Weins.  DOCG-Weine erkennt man an der typischen Banderole am Flaschenhals. Neben den von den DOC-Weinen bekannten Regulierungen für jedes einzelne Gebiet, werden auch noch geregelt: Flaschenform, Mindestreifezeiten in Fässern und Flasche, Mindest-Alkohol-Gehalt, Mindest-Säure-Gehalt, Mindest-Netto-Trockenextrakt, sowie Farbe und Geschmackstypizität. Um diese zu gewährleisten, ist vor der Vermarktung eine analytische Prüfung im Labor und eine sensorische Prüfung durch eine Verkostungs-Kommission vorgeschrieben.

Der Grund für die Einführung der DOCG war aber wohl ganz pragmatisch. Ende der 80er Jahre hatte bereits jedes Dorf in den Abruzzen seine DOC und so wollte die Regierung den prestigeträchtigen Herkunftsgebieten wie Barolo, Brunello oder Chianti Classico die Möglichkeit geben sich abzuheben.

In der Praxis hatte auch diese Reform manchmal abstruse Formen angenommen. Die  italienische Politik ist stark von dem Proporz-Gedanken geprägt und jeder Regionalfürst versucht für seine Untertanen rauszuholen, was rauszuholen ist. So gibt es nun DOCG-Bezeichnungen, von denen haben auch Fachleute noch nie etwas gehört. Aber auch Latium braucht eine DOCG und so gibt es die DOCG Cesanese del Piglio. Oder kennen Sie einen DOCG Vermentino di Gallura von Sardinien?

Hier finden Sie eine wohl annähernd komplette Liste von aktuell 47 verschiedenen DOCG-Weinen. Deutlich mehr wie auf der offiziellen Webseite des italienischen Landwirtschaftsministerium verzeichnet sind…

DOC – der Qualitätswein aus Italien

DOC steht für Denominazione di Origine Controllata. Die Bezeichnung wurde 1963 eingeführt und der Staat hat sich damals verpflichtet die Herkunft der Weine zu kontrollieren. Für jedes DOC-Gebiet gibt es ein eigenes Regelwerk, in dem die zulässigen Rebsorten, mögliche Mischungsverhältnisse, erlaubte oder vorgeschriebene traditionelle Kellertechniken, aber auch der maximal zulässige Hektarertrag und teilweise sogar die Reberziehung geregelt ist.

Mittlerweile gibt es weit über 300 verschiedene DOC-Bezeichnungen und es ist kaum möglich den Überblick zu bewahren. Etwa 25% der italienischen Weine werden unter dieser Bezeichnung vermarktet.

IGT – der italienische Landwein

IGT steht für Indicazione Geografica Tipica. Ein Wein mit einer typischen, geographisch bedingten Charakteristik und eben aus einem klar definierten Herkunftsgebiet. In Deutschland oder Österreich spricht man in diesem Fall von einem Landwein, in Frankreich von einem ‘Vin de Pays’. Er kann entweder die Charakteristik einer Region darstellen wie beim “IGT – Rosso de Toscana” oder sogar die Charakteristik einer Rebsorte aus einer bestimmten Region. Die Bezeichnung gibt es seit 1992 und die etwa 140 IGT-Bezeichnung werden auf etwa 30% der italienischen Weine verwendet.

Die Anforderungen an den Zuckergehalt der Trauben sind geringer wie bei den DOC Weinen und die maximalen Hektarerträgen liegen deutlich über den Werten bei den DOC-Weinen. Manche IGT umfassen ganze Regionen, wie Toskana, Umbrien oder Marken. (Vergleichbar mit dem Pfälzer Landwein!)

vdt – der Tafelwein

Die Bezeichnung vdt (vino da tavola) ist dem deutschen oder österreichischen Tafelwein gleichzusetzen. In Frankreich spricht man von einem vin de table.

Im Anbau, aber auch in der Kellerwirtschaft müssen nur die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten werden. Verschnitte von unterschiedlichen Regionen, aber auch unterschiedlichen Rebsorten, aber auch von unterschiedlichen Jahrgängen sind erlaubt. Umgekehrt darf auf dem Etikett auch nicht mit der Angabe einer Rebsorte, einer geographische Bezeichnung oder einem Jahrgang geworben werden. Also auch dann nicht, wenn die Angabe korrekt eingehalten würde. Es sind nur die Bezeichnung BIANCO (weiß) und ROSSO (rot) zulässig. Immer noch werden etwa 40% der italienischen Weine unter dieser Bezeichnung vermarktet.

Bezeichnungsrecht versus wahre Qualität

Wie gesagt, es geht in erster Linie um das Bezeichnungsrecht. Und so, wie eine Spätlese vom Discounter für 1,79 € zwar wohl auf dem Papier die Voraussetzungen erfüllt, um diese Bezeichnung zu tragen, Sie aber lieber einen einfachen Landwein von ‘Ihrem’ Winzer trinken, so kann auch ein Chianti Classico DOCG für 2,49 € nicht wirklich als Repräsentant dieser ungemein spannenden Region in der Toskana durchgehen. Manch IGT Rosso di Toscana von einem ambitionierten Weinmacher, der die Bezeichnungsmöglichkeiten im Sinne des Erfinders nutzt, macht da einfach mehr Spaß.

Eine aktuelle Liste meiner Lieblingsweine finden Sie hier:

Lieberts aktuelle Top 10 der italienischen Weine

Nachtrag – die EU-Weinmarktverordnung von 2009

Im August 2009 ist von der EU eine tiefgreifende Änderung der Weinmarktordnung beschlossen worden. Die einzelnen Länder der EU, haben nun bis August 2011 Zeit, diese Regelungen in nationale Gesetze umzuwandeln. Es wird dann folgende neuen Bezeichnungen bzw. Qualitätsstufen geben:

  • VINO – entspricht dem bisherigen ‘vino da tavola’
  • IGP – das bisherige IGT. Die geografische Herkunft ist also nicht mehr typisch sonder geschützt! (Indicatione Geografica Tipica versus Indicatione Geografica Protetta)
  • DOP – die beiden Kategorien DOC und DOCG werden zusammengefasst. DOP steht für Denominazione di Origine Protetta.

Ob sich damit für den Verbraucher etwas ändert? Nein, wer bisher gute Weine erzeugt hat, wird dies weiter tun. Wer bisher eine Möglichkeit gefunden hat, das System auszutricksen und seine Weine unter der Flagge der Qualitätsweine segeln zu lassen, auch wenn der Inhalt dem ganz und gar nicht entsprochen hat, der wird auch in Zukunft eine Schlupfloch finden, um die Anforderungen wenigstens auf dem Papier zu erfüllen.

Das einzige was sich ändert, wir werden ein paar liebgewordene Begriffe verlieren und die durchaus austarierte Qualitätspyramide wird mal wieder kräftig durcheinandergewirbelt, bis sich der Markt wohl wieder sortiert.

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2 Kommentare
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  1. Hallo Herr Liebert,

    Ja! Die DOCG Vermentino di Gallura von Sardinien ist bekannt. Und zwar dank Ihre hervorragende Bewertung für Sella & Mosca’s Monteoro. Ein großartige Vermentino di Gallura!

    Sehr empfehlenswert – aber dass haben Sie selber schon im Bewertung beschrieben: http://michael-liebert.de/weintipps/sella-mosca-vermentino-di-gallura-2008-monteoro/

    Meiner Meinung nach wird er noch besser nach 30-60 Minuten im Glas, typisch ein Wein die oft zu schnell und damit zu kalt getrunken wird. Etwas Luft und Wärme macht vieles aus.

    VG, Jurgen

  2. Danke für die Blumen! Der Vermentino di Gallura von Sella & Mosca ist ja wirklich schön und für einen 3-Gläser Wein unheimlich günstig. Ich muss aber zugeben, dass ich mir vor dem Wein keinerlei Gedanken zu dieser Herkunftsbezeichnung gemacht hab… lach!

    Lieben Gruß
    Michael Liebert

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