Warum schwärmt eigentlich jeder Weinliebhaber von einem Weinkeller? Und wenn er nur davon träumt, sich einen anzulegen? Vor einigen Jahrzehnten mag das ja noch notwendig gewesen sein, die Weine benötigten eine gewisse Reifezeit und die Transportwege waren lang. Heute werden die meisten Weine für den sofortigen Genuss gemacht, und geliefert wird nicht nur in der Industrie just-in-time.
Und doch gibt es eine ganze Menge Gründe, die für einen Weinkeller sprechen. Das erste Argument, das man hier hört, ist die Wertsteigerung, aber wie Thorsten Jodaitis in seinem Blog Weininvestment immer wieder betont, sind es nur ganz wenige Weine, die als Blue Chips der Weinwelt gelten können. Und dies sind fast ausschließlich die großen Bordeaux. Für diese existiert ein breiter Markt und bereits börsenähnliche Handelsplattformen. Ob auch in Zukunft mit entsprechenden Preissteigerungen gerechnet werden kann, ist der Stoff von vielen Diskussionen.
Wenn Sie also keinen Faible für hochwertige Bordeaux haben oder einfach nicht ganz so viel Geld für eine einzelne Flasche ausgeben wollen, sollte man den Denkansatz nicht überbewerten und sich Gedanken machen, warum es sinnvoll sein könnte, auch für die eigene Zukunft einen entsprechenden Vorrat anzulegen.
5 Argumente für einen eigenen Weinkeller:
- Statt dem Notkauf an der Tankstelle ist es einfach angenehmer, den Blick durch einen gut gefüllten Weinkeller schweifen zu lassen. Auch wenn es gerade nichts Außergewöhnliches sein muss, so macht ein unkomplizierter, einfacher Wein von einem Winzer den ich kenne und schätze einfach mehr Spaß, wie eine No-Name-Abfüllung von der Tankstelle.
- Wenn ich einen Wein zu einem speziellen Gericht aussuchen will, nach einer spannenden Kombination suche, dann ist es einfach wichtig, den Wein schon einmal im Glas gehabt zu haben und seine Struktur und seine Aromatik zu kennen.
- Die Vorfreude! Bereits beim Einkaufen zu wissen es wird der Tag kommen, diese Flasche alleine oder mit guten Freunden zu genießen…
- Günstiger Einkaufen, da man gute Gelegenheiten nutzt, beim Winzer direkt einkauft oder wenn man gerade die Möglichkeit von Sammelbestellungen nutzen kann.
- Manche Weine muss man einfach kaufen, wenn sie gerade zu haben sind. Begehrte Weine sind oft nach kurzer Zeit ausverkauft.
Was sollte man in den Keller legen?
Neben dem vielfach diskutierten Thema wie man die Weine zu lagern hat, sollte man sich aber auch mal Gedanken machen, was man eigentlich so im Keller haben will. Auch ein Weinkeller braucht eine Struktur, eine Idee.
- Stellen Sie sich vor, sie haben auf einmal nur noch teure Weine im Keller, die eigentlich noch eine Weile liegen sollten.
- Oder andersrum, man kommt mit dem Trinken nicht mehr nach, da sich der im Urlaub so tolle Tafelwein vom italienischen Bauern doch nicht für eine längere Lagerung eignet.
Ich hab versucht, verschiedene Typen von Weintrinkern zu definieren (es gibt übrigens für jeden Typus auch eine real existierende Person aus meinem Bekanntenkreis) und für jeden hab ich mir überlegt, was er so im Keller haben sollte.
Weinkeller A (Weingenießer)
Ein guter Freund von mir, der einfach gerne Wein trinkt, oft Besuch hat, sich aber keine großen Gedanken machen will, und auch nicht zu viel Geld für die einzelne Flasche ausgeben will. Vom Wein für alle Tage, der im Preisbereich von 4-6 € liegen sollte, bis hin zu Weinen, die auch mal 8-12 € kosten, das ist die Preisspanne, die er noch spontan mit Freunden aufzieht.
Er kauft ab und an auch Weine für besondere Gelegenheiten, aber vor lauter Ehrfurcht liegen sie wie Blei im Keller… Der Schwerpunkt liegt bei italienischen Weinen, aber auch ein guter Spanier, ein Südfranzose oder ein deutscher Wein haben gute Chancen. Es werden bei ihm ausschließlich trockene Weine getrunken.
Weinkeller B (Weinfreak)
Auch hier muss die Basis stimmen, denn auch beim Weinfreak muss es nicht jeden Tag ein großer Wein mit klingendem Namen sein. Also gute Basisqualitäten zu vernünftigen Preisen, aber wichtiger ist hier die Vielfalt. Denn auch der Freundeskreis probiert lieber an einem Abend eine ganze Reihe verschiedener Weine. Niemand setzt voraus, dass von einem kredenzten Wein größere Mengen vorhanden sind.
Der Weinfreak ist neugierig, er ist aufgeschlossen gegenüber unbekannteren Weinregionen, neuen Weinbauprojekten, und gerade die alten, regionalen Rebsorten und Spezialitäten haben es ihm angetan.
Weinkeller C (Hobbykoch)
Ein Hobbykoch spielt sich gern! Er liebt die Vielfalt an Aromen, experimentiert mit Texturen und denkt in Strukturen. Je nach Kochstil und Bandbreite braucht er Weine im Keller, die zu seinen Gerichten passen. Er braucht eine entsprechende Auswahl an unterschiedlichen Weinstilen, unterschiedlichste Strukturen. Es darf durchaus ein Chardonnay sein, da er einfach perfekt zum Hummer passt, aber auch eine Auswahl an halbtrockenen Rieslingen oder ein guter Gewürztraminer zu den asiatischen Spezialitäten sind in seinem Keller wichtig. Seine Weinauswahl richtet sich danach, ob es sich um interessante oder vielseitige Speisenbegleiter handelt.
Weinkeller D (Etikettentrinker und/oder Investor)
Wenn man gezielt in Wein investiert, muss man sich notwendigerweise an die großen Namen aus den weltbekannten Regionen halten. Nur für diese Weine gibt es später mal auch einen Markt. Der Anleger hat aber sicher seine eigenen Informationsquellen und wird sich mehr an Parker & Co orientieren, als an unseren Vorschlägen.
Wem es nur wichtig ist, dass man den Wein kennt, den er auf den Tisch stellt, der echte Etikettentrinker, er wird sich wohl auch kaum für unsere Entdeckungen interessieren. Aber vielleicht ist ja doch mal neugierig auf unbekanntere Weinen mit großem Spaßfaktor, dann kann er ja mal in den anderen Weinkellern kibitzen…
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