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Die Messegesellschaft hat die üblichen Jubel-Nachrichten rausgeschickt. Am Ende waren es 152.000 Besucher und damit 4,40% mehr als im Vorjahr. 47.000 Besucher kamen aus dem Ausland und das aus rekordverdächtigen 110 verschiedenen Ländern.
Vinitaly 2010 – erste Impressionen
Der erste Eindruck ist überwältigend. Die Italiener wissen, wie man das Thema Wein insziniert. Lebensfrohe, modern und doch mit einem dezenten Hinweis auf die Tradition des italienischen Weins. Schon die Dimensionen sind beeindruckend. Fast jede Region Italiens kann mit einer eigenen Messehalle aufwarten. Und jede noch so unbekannte Region versucht mit einem pfiffigen Messeauftritt auf sich aufmerksam zu machen.
Die Toskana präsentiert sich inzwischen in zwei Hallen, Apulien zeigt sich selbstbewusst, mit bestem Service und sachlichen Auftritt. Und Sizilien hat wieder mal einen extrem stylische Halle und die beste Klimaanlage.
Beeindruckend auch, welche Massen sich durch die Hallen schieben. Andererseits fällt auf, dass gerade am ersten, für die Fachbesucher so wichtigen Tag, die Toskana-Halle bis in den Nachmittag überraschend ruhig bleibt. In der Piemont-Halle das selbe Bild.
Mein Eindruck, aus den klassischen Märkten wie Deutschland, Österreich, Großbritannien und USA waren eher weniger Fachbesucher vor Ort. Ob dies durch die angeblich anwesenden Russen und die leichter zu erkennenden Asiaten ausgeglichen werden kann, wage ich zu bezweifeln.
Schon fast beängstigend die Ruhe am Gemeinschaftsstand des Brunello di Montalcino. Die Frage nach einem Termin in der Verkostungszone, wurde mit der Gegenfrage beantwortet: “Jetzt sofort?”
Das Desinteresse war schier zu greifen. Am Donnerstagnachmittag waren mit mir drei Verkostungstische besetzt. Dabei ist der Brunello di Montalcino 2005 meines Erachtens erheblich besser, wie erwartet. Dazu in Kürze meine Notizen!
Italien in der Krise?
Montalcino hat ein massives Problem, auch andere Prestige-Weine stoßen momentan auf absolutes Desinteresse des Marktes. Zu lange war man auf dem hohen Ross gesessen. Wenn die Händler und Konsument in Deutschland die Entwicklung nicht mitgetragen haben, dann hat man seinen Brunello, Barolo oder Pinot Grigio eben nach Russland oder in die USA verkauft.
Und viel schwerwiegender, man hat die Anbauflächen und damit die Mengen an manchen Prestige-Weinen extrem ausgeweitet. So gibt es heute etwa die doppelte Menge an Brunello auf dem Markt, wie zur Hochphase 1999/2000. Die Entwicklung im Piemont ist ähnlich… Und ein guter Barolo, ein guter Barbaresco ist nie Mainstream. Es ist ein Wein für Afficionados, für Weinfreaks und die wachsen auch in Russland und China nicht auf den Bäumen.
Vinitaly 2010 – and the winner is…
Die nächsten Jahre werden also turbulent und so manchen stolzen Weingutsbesitzer werden die Zinslast seines Kellerneubaus (er)drücken. Ja, die italienischen Weinmacher haben schwere Zeiten vor sich, aber für uns Italien-Wein-Fans könnte es zum Schlaraffenland werden.
Noch nie, gab es so viele spannende Weine in Italien! In vielen Regionen hat man inzwischen seine Hausaufgaben gemacht, alte Rebsorten rekultiviert und moderne Weinkonzepte entwickelt. Noch nie in der langen Geschichte des italienischen Weins gab es gut ausgebildete Weinmacher, so gepflegt Weinberge und so gut ausgestattet Keller. Freuen wir uns darauf, auf Entdeckungsreise zu gehen.
Italien in der Krise? Möglich, der italienische Wein allerdings präsentiert sich so vielfältig, so gut, so lebensfroh, wie noch nie!
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Sehr lesenswert!
Ich hatte in der letzten Woche die Gelegenheit mit ein paar Weinbauern aus dem Piemont zu sprechen und auch dort wird viel über die Krise gestöhnt. Dennoch, es gibt ein paar Weinproduzenten, die auch in den vergangenen Jahren nie mit ihren Preisen übertrieben haben und denen geht es jetzt noch einigermaßen gut. Sie leben von ihren Stammkunden und der Mund-zu-Mund Propaganda. Ich denke aber auch, dass sich der Weinmarkt durch die Krise wieder ein wenig einrenkt und die teilweise übertriebenen Preise für einen Barolo oder Brunello (teilweise 50 Euro und mehr) damit wieder “erträglicher” werden. Ich kann zwei Weinbauern aus dem Piemont von Herzen empfehlen. Sie machen hervorragende Weine, sogar in einer Art Bio Produktion, und behalten seit Jahren ihre Preise konstant. Alessandro Fantino aus Monforte d´Alba verkauft seinen erstklassigen, ausgezeichneten Barolo 2004 für 15 Euro !!!!! und Renato Fenocchio aus Neive seinen Bio Barbaresco für 17 Euro. Faire Preise, die auch die Krise überstehen werden. S.