Die gute alte Zeit
Um 1900 waren die Saar-Rieslinge die teuersten Weine der Welt. Ein Blick in alte Preis- und Auktionslisten belegt, dass für die Rieslinge aus den Toplagen der Saar das x-fache dessen bezahlt wurde, was man zu dieser Zeit für einen Bordeaux der berühmten Chateaux oder einen guten Burgunder ausgeben musste. Es war die Eleganz, diese feine, filigrane Struktur, die so zerbrechlich wirkt und dabei so viel Tiefe und Schmelz zum Vorschein bringt. und das Zusammenspiel aus feiner, vielschichtiger Frucht und cremigem Schmelz, die diese Wein als aristokratisch und edel über den Rest der Weinwelt stellte.
Das Wiedererwachen aus dem Dornröschenschlaf
Und so ist es ein Wunder, dass es so lange gedauert hat, bis einer die Frage stellte, warum eine Region, das damals in der Lage war solche Weine zu produzieren, dies heute nicht mehr zustande bringen sollte. Roman Niewodniczanski stellte diese Frage, wurden anfangs belächelt, wie er mit der Vision antrat, den Saar-Riesling wieder einen angemessenen Platz in der Weinwelt zu geben.
Im Stern hat man ihn inzwischen als Rebflüsterer betitelt, dabei hat er ‘nur’ an seiner Vision festgehalten, die alten Unterlagen studiert und versucht all die Frevel auszumerzen, die sich in den letzten 70 Jahren in der Region und im Weingut eingebürgert hatten. Und er Jahrgang 2007 ist nun wohl der erste große Jahrgang, mit dem wir Weintrinker die Früchte seiner Arbeit und seiner Vision genießen und damit würdigen können.
Im Jahr 2000 kaufte er einen traditionsreichen, berühmten Betrieb im Zentrum von Wiltingen, der zwar noch über Kernparzellen in den renommiertesten Lagen der Saar besaß, aber kaum noch Kunden,die bereit waren auskömmliche Preise zu bezahlen.
Roman Niewodiczanski ist ein Weinfreak, der sich quer durch die Weinwelt getrunken hat und einfach nicht glauben konnte, dass man das große Potential der Saar heute nicht mehr zur Entfaltung bringen kann. Bezeichnend ist, der er sich gerne auf die preußische Lagenklassifikation von 1865 bezieht, die damals als Basis für die Steuerschätzung eingeführt wurde.
Der Rest ist harte handwerkliche und harte geistige Arbeit. Einerseits galt es, das Weingut zu sanieren, den Keller auf einen vernünftigen Stand zu bringen und vor allem die Lagen Stück für Stück zu revitalisieren. Man kehrte zur alten biodynamischen Wirtschaftsweise zurück, versuchte das genetisch wertvollste Rebmaterial zu selektieren, um damit die Weinberge zu verjüngen und reduzierte die Hektarerträge. An den Qualitätssteigerungen der letzten Jahre kann man die Entwicklung wunderbar mitverfolgen.
Klima und Schiefer
Niewo, wie er oft genannt wird, ist auch der Meinung, dass die Klimaerwärmung der Saar heute deutlich mehr interessante Jahrgänge beschert, wie in früheren Zeiten. Wobei die Saar auch heute noch zu den kühlsten Anbaugebieten zählt. Es sind die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht und die extrem lange Vegetationsperiode von bis zu 160 Tagen, die den großen Rieslingen der Saar, ihre Finesse, die Eleganz und die diese filigrane und doch so kraftvolle Frucht verleihen.
Die unterschiedlichen Lagen mit ihrem unterschiedlichen Bodenstrukturen und Schieferarten sorgen für den Rest, für die Vielfalt an Stilistiken im Sortiment von van Volxem. Und im aktuellen Jahrgang 2007 hat einfach alles gepasst. Eine frühe Rebblüte, genügend Niederschläge im Sommer und ein langer, wunderbarer Herbst, so dass die Trauben extrem viel Zeit hatten komplexe Aromen auszubilden.
Die Weine
Die Weine sind alle ein Genuss und so soll die Reihenfolge keine Wertung darstellen:
- Saar-Riesling trocken 2007
- Saar-Riesling Alte Reben 2007
Dieser Wein hat bereits den Schmelz und die verspielte Frucht der großen Lagen und mit einem Preis von etwa 15 € kommt er bei mir sehr oft in den Seminaren oder bei schwer zu kombinierenden Speisen zum Einsatz. Gerade bei Gerichten die von der asiatischen Küche beeinflusst sind.
- Wiltinger Braunfels Riesling 2007
Ein vergleichsweise kraftvoller Riesling aus einer etwas flacheren Lage direkt oberhalb von Wiltingen, den ich für die nächsten 2-3 Jahre in den Keller legen würde.
und hier die Toplagen:
- Goldberg Riesling 1. Lage 2007
Er ist wohl der filigranste, der feingliedrigste Riesling in der Kollektion. Wie feinste Seide, die einerseits federleicht und doch so kleidsam ist. Ein Wein zum Meditieren…
- Volz Riesling 1. Lage 2007
- Wiltinger Gottesfuß Riesling 1. Lage
- Wiltinger Gottesfuß Riesling Alte Reben 1. Lage 2007
Es ist die steilste, die spektakulärste Lage in Wiltingen und auch als Bewohner der Berge stellt man sich sofort die Frage, ob man verrückt sein muss, wenn man versucht, bei dieser Hangneigung auch noch zu arbeiten.
- Altenberg Riesling 1. Lage 2007
- Scharzhofberg Riesling 1. Lage 2007
- Scharzhofberg Pergentsknopp Riesling 1. Lage 2007
Mein persönlicher Liebling, wobei nicht genau sagen könnte, warum mir dieser noch einen Tick besser gefällt, wie die anderen Lagen. Ich hab ihn das erste Mal bei einem sehr schönen Dinner in Trier im Glas gehabt und seitdem bringe ich ihn nicht mehr aus dem Kopf.
Diese Parzelle ist das steilste Kernstück der berühmtesten Lage der Saar und mit den ältesten Reben bestockt. Eine Weinberg, der in der ganzen Welt mit Ehrfurcht genannt wird und ein Elixier, das ganz nebenbei auch ungemein viel Trinkspaß bietet.
Tipps, Verkostungshinweis & Bezugsquellen
Die Toplagen des Jahrgang 2007 sind alle noch Babys, aber es macht trotzdem Spaß sie heute schon mal zu verkosten. Nur in diesem Falle würde ich die Weine auf alle Fälle 1-2 Stunden vorher dekantieren. Und probieren Sie die Weine einmal aus einem großen Burgunderglas. Sie brauchen ein großes Glas, um sich ihrer ganzen Pracht entfalten zu können
Bezugsquellen: Eine beeindruckende Auswahl finden Sie beim saarländischen Weinversänder Pinard de Picard oder Sie nutzen die Weinsuchmaschine wein.cc für weitere Bezugsquellen.
Legen Sie sich von diesen Weinen unbedingt etwas in den Keller, gerade die Toplagen werden in den nächsten Jahren noch viel spannender und wer weiß, wie lange man sich diesen Genuss als normaler Weintrinker noch leisten kann…
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