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Optimale Trinkreife – warum Wein lagern?

5. November 2009 | Von Michael Liebert | Kategorie: Fragen an den Sommelier

italienische Weine - eine SchatzkammerGanz regelmäßig steht die Frage im Raum, wie lange kann ich den Wein lagern? Dabei stellt sich für mich eher die Frage, warum soll man einen Wein lagern? In vielen Fällen geht es da immer noch um die Vorstellung, ein Wein wird immer besser, wenn man ihn liegen lässt. Warum fragt sich eigentlich keiner, ob er überhaupt den Geschmack von alten Weinen mag? Und genau das ist die entscheidende Frage, wenn es um die optimale Trinkreife geht. Die Katze mag Mäuse, mir sind Austern lieber…

Andererseits gibt es natürlich Weine, die deutlich gewinnen, wenn man ihnen noch etwas Zeit zum Reifen gibt. Es ist also zu unterscheiden, welche Weine halten sich durchaus ein paar Jahre, so dass ich mir einen Vorrat meines Lieblingsweines in den Keller legen kann und damit nicht darauf angewiesen bin, dass man auf dem Weingut im nächsten Jahr ebenfalls wieder ein so tolles Ergebnis abliefert. Und welchen Weinen tut es einfach gut, wenn sie noch ein paar Jahre sich in der Flasche entwickeln können.

Warum solle man Weine lagern?

Die einen legen sich den Jahrgang ihres Sohnes oder ihrer Tochter in den Keller. Andere spekulieren mit großen Weinen oder jemand hat einfach Spaß daran, große Weine zu trinken. Und große Weine werden einfach erst mit einer gewissen Flaschenreife wirklich komplex.

chemische Formel für PhenolMan unterscheidet beim Wein drei verschiedene Aromenkomplexe. Primär-, Sekundär- und Tertiär-Aromen. Einerseits also die frischen Fruchtaromen (Beeren, Früchte, Kräuter, Blumen…), die direkt aus den Trauben stammen und nur in den Wein transformiert werden müssen. Die Sekundäraromen gesellen sich Keller dazu, Gäraromen und die Vanille bzw. die Röstaromen, die beim Ausbau im Barrique entstehen.

Die dritte Gruppe, die Tertiär-Aromen entstehen während der Flaschenreife, vorausgesetzt, es sind entsprechende Frucht- und Sekundäraromen vorhanden. Erst das Zusammenspiel dieser drei Aromengruppen lässt einen Wein komplex und vielschichtig erscheinen. Und die Entstehung der Tertiär-Aromen braucht Zeit. Wer wirklich vielschichtige Weine im Glas haben will, hat somit einen guten Grund, sich die entsprechende Weine in den Keller zu legen.

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