Die Frage wurde eigentlich in der letzten Ausgabe von VINUM aufgeworfen, aber ins Rampenlicht der Blogger trat der Artikel eigentlich nur durch den Querschuss von Rudi Knoll gegen die Weinblogger. Bei Twitter #Vinum kann man diese Diskussion verfolgen. Auch an Beiträgen der diversen Bloggern mangelt es nicht. Bei Viva-Vino findet sich ein guter Überblick der Beiträge. Sehr differenziert hat sich Dirk Würtz mit dem Artikel auseinandergesetzt.
Ich sehe das Problem weniger in diesem flapsigen Spruch gegen die Wein-Blogger, sondern mehr darin, dass die beiden Autoren nicht wirklich eine Definition erarbeitet, sondern nur ihre persönlichen Befindlichkeiten und Abneigung zu Papier gebracht haben. Und das Kriterium ‘teuer’, dass man in der Diskussion auch auf twitter #kultwein, sofort wieder zu hören bekam ist wohl nicht ausreichend.
Auch ein ungewöhnlicher Name, wie von VINUM vorgeschlagen, begründet noch keinen Kultstatus. Und die im Artikel beschworene Anhängerschaft, die Glaubensgemeinschaft ist wohl auch eher das Ergebnis eines langen Weges und der damit verbundenen harter (Qualitäts)Arbeit. Sie fällt nicht vom Himmel!
Kult = Qualität
Qualität, eine exorbitante Qualität ist wohl die Grundlage und solche Qualitäten kann man eben auch nicht in großen Mengen erzeugen. Und wenn etwas Kult ist, dann gibt es mehr Nachfrage, als Angebot und somit ist teuer nicht die Voraussetzung für Kult sondern die Folge davon.
Aber es gibt auch jede Menge gute Weine, richtig gute Weine, die wohl trotzdem keinen Kultstatus haben. Château Mouton Rothschild ist aus meiner Sicht so ein Wein. Faszinierend, ein Klassiker, aber ein Kultwein?
Kultwein – Vision und harte Arbeit
In meiner ersten, rein aus dem Bauch raus erfolgten Auflistung von Kultweinen, ist eigentlich kein Wein dabei, der als Kult an den Start ging, ganz im Gegenteil. Viele Projekte, wie Sassicaia oder Ornellaia, wie Opus One oder Pingus wurden zu Anfang kritisch beäugt oder gar verlacht.
Hinter jedem Kultwein steht ein Visionär, ein Verrückter, ein Qualitätsfanatiker… Jemand der einen neuen Weg gegangen ist, jemand der etwas bewegt hat und eben auch ein Macher (eine Macherin) der seine Vision, seine Idee wirklich in die Tat umgesetzt hat. Und der oft viele Jahre an seine Idee glauben und oft gegen entsprechenden Widerstand durchsetzt musste.
Kultweine – der Versuch einer Liste
Nach diesen Kriterien wird die Liste wohl gar nicht so lang… Hier die Wegbereiter, die mir spontan einfallen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Italien:
- Tignanello (der Wegbereiter der Super Toscans, heute leider nur noch ein Abklatsch)
- Sassicaia (Wein aus der Maremma, wie lachhaft! Über Jahre wurde nur für den Eigenverbrauch gekeltert!)
Frankreich:
- Petrus (der erste Garagenwein in Bordaux)
- Romanée-Conti
- Trévallon von Eloi Dürrenbach (bio-dynamisch und der erste große Wein aus der Provence)
- Côte-Rotie ‘La Turque’ von Guigal
Spanien:
- Vega Sicilia (alleine gegen das Rioja)
- Pingus (ein Däne in Spanien…)
- L’Ermita von Alvaro Palacios (Priorat, wo ist das den?)
Deutschland:
- G-Max von Keller(absolute Qualitätsorientierung, ohne Lagengläubigkeit etc.)
Übersee:
- Opus One (eine bahnbrechende Idee der Zusammenarbeit)
- Penfolds Grange
- Almaviva
Kultwein, Print und Qualität durch offene Diskussion
Ich werfe Liste und Artikel einfach mal in die Runde und würde mich auf eine entsprechende Diskussion freuen. Vielleicht haben wir am Ende eine griffige Definition für den Begriff Kultwein. Und statt uns über so einen Artikel zu ärgern, würden wir beweisen, dass man mit der offenen Zusammenarbeit im Netz auch die qualitativ besseren Ergebnisse bekommt.
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Ich denke, das Zusammenspiel der Faktoren Qualität, Preis, Verfügbarkeit, Zeit und PR macht das Produkt zum Kult. Letzterer Punkt, PR, gilt allerdings nur für die Neuzeitkultweine. Ein Mouton oder Latour hatte derartiges nicht nötig.
Die englische Fassung von Wikipedia kann ein paar Gedankenanstöße geben:
http://en.wikipedia.org/wiki/Cult_wine
Die allererst Zeile sagt auch schon wo es lang geht: “Cult wines are those for which dedicated groups of committed enthusiasts will pay large sums of money.”
Der Preis spielt also anscheinend eine große Rolle. Ich würde es leicht nuancieren: falls der Preis keine direkte Rolle spielen sollte, dann wenigstens die Rarität des Produktes (Wie schwer kommt man an dem Objekt ran), was oft korreliert, aber nicht unbedingt korellieren muss.
Vielleicht sollte man das Spiel umdrehen: Als erstes eine Liste der Weine die bei den Meinungsbildnern als Kult angesehen werden erstellen, um anschliessend eine Definition zu erarbeiten, die für die größte Zahl dieser Weine auch zutrifft…
Kultweine sind aus den unterschiedlichsten Gründe Kultweine: Sceaming Eagle, Rayas, Yquem, Grange… In der Definition sollten nicht nur und sondern auch oder Beziehungen vorhanden sein…
Kompliment! Interessanter Ansatz. Wie wäre es mit einer Liste als Vorschlag?
werde versuchen eine Liste aus folgenden Quellen zu erstellen:
Zeitschriften – Onlinezeitschiften (Decanter, Vinum, Revue des vins de France, etc…)
Ebay (würde nie einen Wein dort kaufen, aber das ist jetzt was anderes)
Internationale Persönlichkeiten (Jancis Robinson, Weltmeister Sommeliers,
Bücher (doch, die gibt´s noch)
Blogs
Auktionshäuser
Weinläden (Mövenpick etc…)
weitere Ideen?
Das klingt doch schon nach einer Herkules-Aufgabe, aber ich werde überlegen was mir noch einfällt. Ich bin auch sicher, dass so eine Liste zu einer interessanten Diskussion führt.
ich würde beispielsweise Weine von Didier Dagueneau als Kultweine bezeichnen, er hat große Weine aus wurzelechten Reben geschaffen, für die er anfangs von seinen Winzerkollegen belächelt und sogar verhöhnt wurde. Wenn er auch als eigenwillig und dickköpfig bezeichnet wurde, hatte er am Ende recht behalten und ausergewöhnliche Weine geschaffen.
Das ist ja das interessante, es gibt viele Weine, da kann man sich ganz schnell einigen, “das ist ein Kultwein”. Die Weine des verstorbenen Didier Dagueneau würde ich da eindeutig dazuzählen. Die Weine, die nun wohl sein Sohn macht, hab ich noch nicht im Glas gehabt….