Geschmacksschule – Plädoyer für einen Verrückten
13. Februar 2010 | Von Michael Liebert | Kategorie: Weinreisen & WeinbücherUm es gleich vorweg zu nehmen! Die Aussage ist als Kompliment gemeint! Ein Buch wie die Geschmacksschule zu screbzw. sich an eine solche Aufgabe zu wagen, setzt ein gerüttetes Maß an Eigenständigkeit voraus. Die einen nennen einen solchen Typen Dickschädel, die Masse spricht meist von einem Verrückten. Ich mag solche Charaktere und daher ist diese Buchbesprechung auch ein ganz persönliches Plädoyer. Und dabei kenne ich den Autor Jürgen Dollase gar nicht persönlich.
Geschmacksschule – ein Buch über das Schmecken
Wir schmecken doch jeden Tag? Schmecken muss man doch nicht lernen! Ich gebe zu, ich habe am Anfang ganz ähnlich reagiert. Ich bin Sommelier und verdiene mein Geld mit Schmecken und selbstverständlich genieße ich es, gut zu Essen. Aber ich war neugierig, wie er das Thema darstellt!
Im ersten Teil liefert die Geschmacksschule interessante Details über die physiologischen und psychologischen Grundlagen des Schmeckens und Essens. Gut geschrieben und sehr lesenswert!
Im zweiten Teil folgt die praktische Umsetzung der Geschmacksschule. Und das praktisch muss man wörtlich nehmen. Laden Sie sich Freunde ein und fangen Sie an, diese im ersten Moment eigenwillig klingenden Übungen durchzuspielen. Es ist absolut faszinierend! Dann folgen seine Löffelgerichte. Lauter kleine Mini-Highlights, die in der Gruppe schnell nachgekocht sind. Ob die ‘platzende Kirschtomate’ oder die ‘teilweise dekonstruierte Erbensuppe’, es sind oft einfachste Zutaten, die zu einem überraschenden Geschmackserlebnis zusammengefügt werden.
Geschmacksschule – ein Muss für Köche, Gourmets & Weinfreaks
Man fängt an, in Strukturen zu denken, mit Aromen zu spielen und den Einfluss der Textur bewußt wahrzunehmen. Oder wussten Sie, was es für Folgen hat, wenn ein Chips, ein Crouton, ein Stück Zwieback oder etwa ein Stück getrockneter Parmaschinken in ihrem Mund knackt und kracht?
Jürgen Dollase – ein Kämpfer für den guten Geschmack
Es ist manchmal wohl ein Kampf gegen Windmühlen. Er schreibt Kolumnen für die FAZ und für den Feinschmecker. Und manchmal wirkt Jürgen Dollase in seinen Kolumnen überheblich und abgehoben. Man könnte zweifeln, ob das was er schreibt für einen Normalo überhaupt von Bedeutung ist. Die Geschmacksschule ist ein Basiswerk! Und es muss ein wahnsinniger Aufwand gewesen sein, diese ganzen Zusammenhänge auszutüfeln und darzustellen. Und damit ist auch der Preis gerechtfertigt!
Weitere Buchempfehlungen…
Es gibt jede Menge Bücher über Wein und es gibt ein unüberschaubares Meer von Kochbüchern. Hier eine kleine Auswahl an Weinbücher, die aus meiner Sicht relevant und empfehlenswert sind:
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