Es gibt jede Menge Bücher mit ausgefeilten Tabellen, welchen Wein man mit welcher Temperatur trinken sollte. Aber gerade die Wahrnehmung der Temperatur ist eine sehr persönliche Angelegenheit.
Festzustellen ist, dass inzwischen viele Weißweine zu kalt serviert bzw. getrunken werden und damit kaum die Chance haben, aufzuzeigen was in ihnen steckt. Einem einfachen Wein wird durch die Kälte ja durchaus auf die Beine geholfen, sie überdeckt eine unsaubere Aromatik und läßt ihn leichter und frischer wirken.
Was bei einem einfachen Wein noch ein kaschieren von kleinen Fehlern ist, verdeckt bei einer guten Flasche, die Sicht auf die eigentliche Qualität des Weines. Er präsentiert sich ebenfalls nur sehr leicht, sehr frisch ohne spezielles Aroma.
Mir ist es vor kurzem so mit einem sardischen Wein gegangen. Es war der Torbato von Sella & Mosca, der im Gambero Rosso 2009 mit 3 Gläser ausgezeichnet wurde und den ich nun endlich im Glas hatte. Der erste Eindruck, ja ganz nett, aber 3 Gläser?
Dann wurde er etwas wärmer und die feinen Fruchtaromen kamen zum Vorschein und ich wurde neugierig… Ich hab nun die Flasche über die nächsten 3 Tage immer wieder probiert und es ist eben auch einer der Weißweine, der einfach etwas Luftkontakt benötigt.
Hier mein Weinbeschreibung, die dabei rauskam… Torbato ‘Terre Bianche’ 2008 von Sella & Mosca
Und Rotwein in den Kühlschrank
Beim Rotwein ist das Gegenteil der Fall, die werden oft viel zu warm serviert. Die gute, alte Zimmertemperatur sollte man mit 18°-20° C übersetzen. Und bei 25° C hat man nur noch den Alkohol in der Nase und die feineren Aromen haben keine Chance mehr.
Also den Weißwein ruhig mal ein halbe Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen und dafür den Roten auch mal für 20 Minuten in die Kühlung oder in einen Weinkühler mit kaltem Wasser und ein paar Eiswürfel, wenn es schneller gehen muss.



