Es ist schon gemein, wie Hugh Johnson den deutschen Wein darstellt (Interview vom 19.08.09 in der Welt am Sonntag: Die-meisten-deutschen-Weine-sind-immer-langweilig-gewesen)! Bei einigen Aussagen muss man ihm allerdings beipflichten. Es ist schon unglaublich, welche Qualitäten da oft im Regal stehen. Aber ich hab bereits vor Wochen ein Diskussion im Internet, angestoßen von Mario Scheuermann zum Anlass genommen, mich mal intensiv mit den deutschen Weinen auseinander zu setzen. Mario Scheuermann war der Meinung ‘Neue Winzer braucht das Land’
Ich meine, die Winzer gibt es bereits und die Weingenießer für diese Weine gibt es auch, also fehlt es wohl einfach an dem notwendigen Bindeglied. Es fehlt an der Kommunikation und es fehlt an der Logistik, am einfachen Zugang zu diesen Weinen. Ich hab keine Lust, jedes Weingut einzeln anzurufen und jedes Mal 12 Flaschen zu bestellen. Ich weiß ja noch gar nicht, ob der Wein auch meinem Gusto entspricht…
Ich hab mich auf die Suche gemacht und im Rahmen der neuen Ronaldi-Kollektion aus heimischen Gefilden, finden sich auch die ersten Vertreter dieser neuen Generation, die ‘jungen Wilden’ aus Deutschland. Die Mengen dieser Weine sind zwar leider noch begrenzt, aber die Qualitäten haben mich absolut überzeugt, auch wenn ich manchmal immer noch im Gestrüpp des deutschen Bezeichnungsrecht, mit Classic, Selection, Prädikaten und Großlagen verheddere.
Unbekannte deutsche Weinmacher mit bestem Preis-Genuss-Verhältnis
Margarethenhof (Mosel bzw. Saar)
Er war der Elbling-Winzer auf n-tv und auch der Stern hat schon über seinen Elbling spritzig berichtet und den Ronaldi-Kunden muss ich wohl auch nichts mehr über diese Weine erzählen. Die alte Rebsorte Elbling, sowie der Grauburgunder kommen von Lagen an der oberen Mosel, der Riesling Schieferstein aus einer der großen Lagen an der Saar, dem Ayler Kupp.
Elbling trocken 2008 ‘der Spritzige’
Riesling feinherb 2008 Schieferstein
Direkt in den Shop von Ronaldi zu Weinen des Margarethenhof
Weinmann & Würtz (Rheinhessen)
In Norwegen ist Dirk Würtz einer bekanntesten Weinmacher aus Deutschland, in Belgien ist er auf fast jeder Weinkarte zu finden, nur in Deutschland nimmt man ihn mehr als Spaßvogel und Wortführer des Wein 2.0 wahr. Hier einer seiner Weine mit einem fantastischen Preis-Genuss-Verhältnis
die jungen Wilden – noch sind es Geheimtipps
Lukas Krauß (Pfalz)
Lukas Krauß über sich “Berthold Brecht nannte sich Stückeschreiber unter Dichtern – Ich bin Weinbauer unter Winzern” Er ist noch jung, aber sein Silvaner hat Klasse. Robert Haller, der hoch dekorierte Gutsdirektor des Würzburger Bürgerspitals, ließ sich jüngst zu einem „hm gut“ hinreißen… Ich kann mich da nur anschließen, verdammt gut!
Silvaner Kabinett trocken 2008
Marius Meyer (Pfalz)
Das Weingut wird noch vom Vater Klaus Meyer geführt, aber für die Spitzenweine des Familienbetriebs zeichnet bereits seit einigen Jahren der Junior verantwortlich. Sein Weißburgunder hat sich in einer Vergleichsprobe gegen etliche große Namen durchgesetzt. Er war einfach die Spur mineralischer, eigenständiger bzw. facettenreicher.
Weißburgunder trocken 2008 Kalkmergel
Weingut Hofmann (Franken)
Auch hier ist es der Junior, der für Furore sorgt. Gelernt hat er auf dem Weingut Rudolf Fürst, also haben wir seinen Silvaner einfach neben pur mineral seines Lehrherren gestellt… Und ich meine, der von Hofmann ist noch eine Spur mineralischer…
Silvaner trocken 2008 Feuerstein
Große Namen mit großen Weinen
Weingut Franz Künstler (Rheingau)
Riesling trocken 2008 Herrnberg
Riesling Kabinett trocken 2008 Hölle
Dönnhoff (Nahe)
Bassermann-Jordan (Pfalz)
Bassermann-Jordan – Weisser Burgunder 2008
Bassermann-Jordan – Blanc de Noir 2008
St. Antony (Rheinhessen)
Riesling trocken 2008 Bodenschatz
Riesling trocken 2008 Rotschiefer
Dr. Loosen (Mosel)
Direkt in den Shop von Ronaldi mit allen Weinen aus Deutschland
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Ich denke, wir haben in Deutschland in den letzten 10-20 Jahren eine neue Generation vieler guter Winzer bekommen, die sehr gute Weine produzieren.
Den negativen Ruf, den die deutschen Weine oft haben, kann ich so nicht nachvollziehen.
Bei uns gibt es vor allem oft viel ehrlichere Weine von gewissenhaften Winzern mit klar definierter Lagenherkuft und Ausbauart, wie man es so bei vielen italienischen oder französischen Produzenten (die ja oft gar nicht die Winzer selbst sind) oft nicht hat.
Mich persönlich würde es interessieren, wie Sie z.B. die Weine dieses Mosel-Winzers beurteilen würden:
geller-steffen.de
Einen schönen Gruß
Andreas B.
Es stimmt, es hat sich viel getan in den letzten 10-20 Jahren, aber wenn ich mir anschaue, was ich die letzten Wochen von ganz jungen Weinmachern im Glas hatte und was die VdP-Weingüter auf der Gutswein in Berlin präsentiert haben, dann würde ich sagen, da kommt die nächsten Jahre ein weiterer, gewaltiger Qualitätsschub.
Ich würde die Ehrlichkeit und die Gewissenhaftigkeit eines Winzers bzw. Weinmachers nicht an seiner Nationalität festmachen. Gerade innerhalb Europas mit seiner vielschichtigen Weinkultur, werden wir anerkennen müssen, dass man auch in den anderen Ländern Europas weiß, wie man gute Wein macht. Eine Trennung von Traubenanbau und Weinbereitung ist ja nicht per se schlecht. Diese Arbeitsteilung haben wir ja auch in vielen anderen Bereichen. Die Frage ist, ob die jeweiligen Partner qualitätsorientiert zusammenarbeiten.
Einigen wir uns darauf, dass in jedem Land, in jeder Region werden sowohl gute, wie schlechte Weine produziert und es einfach schön ist, dass wir im Moment in Deutschland eine solche Aufbruchstimmung haben. Das Weingut Geller-Steffen ist mir bisher kein Begriff, somit kann ich auch nichts zu den Weinen sagen.
Lieben Gruß
Michael Liebert
Natürlich hängt die Qualität und Gewissenhaftigkeit eines Winzers nicht von seiner Nationalität ab.
Und in den verschiedenen Regionen Europas gibt es ganz unterschiedliche Kulturen, Traditionen und Strukturen des Weinan- und Ausbaus. Dass gerade in vielen, kleinbäuerlichen Betrieben eine eigener Ausbau und eigene Abfüllung und Vertrieb schon aus Kostengründen kaum möglich ist und dadurch andere Strukturen in der Herstellung und im Vertrieb enstanden sind, ist klar.
Trotzdem entstehen dabei natürlich auch qualitativ hochwertige Weine.
Mir persönlich ist es allerdings gefühlsmäßig sympathischer, wenn Anbau, Kellerarbeit, Abfüllung und Vertrieb in einer Hand eines Familienbetriebs sind (was sich ja noch lange nicht auf die Qualität auswirken muss). Aber mir ist z.B. auch eine Kartoffel, direkt beim Bauern gekauft, lieber, als eine hochglnazpräsentierte und form- und geschmacksoptimierte Designerkartoffel aus dem Feinkosthandel.
Und ich würde mir beim Wein ganz allgemein etwas weniger “Design” und Raffinesse im Ausbau (muss heute alles im Barrique landen?) wünschen.
Schönen Gruß
Andreas B.
Hallo Andreas,
da stimme ich Dir in vollem Umfang zu! Und ich meine, dass es die nächsten Jahre wieder unheimlich wichtig wird für die Winzer und Weinmacher, sich auf ihre jeweilige Tradition zu besinnen und eigenständige Weine zu machen. Auf der anderen Seite wird die Weinindustrie mit technisch zwar gut gemachten, aber eben auch uniformen Weinen, versuchen ihren Teil des Marktes zu vergrößern. Der Konsument entscheidet und wir können nur versuchen, die Neugierde und das Wissen um diese anderen Weine zu fördern…
Lieben Gruß
Michael Liebert