Mit dem deutschen Wein tue ich mich bis heute schwer. Nein, nicht mit dem Wein an sich, sondern mehr mit den Etiketten, den Bezeichnungen und dem ganzen Durcheinander von Classic, Selektion, Hochgewächs und was es da sonst noch an Bezeichnungen gibt. Ich weiß nicht wie Öchsle schmecken, mag keine Ortega oder Huxelrebe und ich kann eine Großlage nicht von einer Einzellage unterscheiden.
Ich verstehe auch nicht, warum ein Winzer aus einem deutschen Weinbaugebiet mit wenigen Hektar bis zu 50 verschiedene Weine auf der Liste hat, während Chateau Mouton-Rothschild Jahr für Jahr damit kämpft, einen vernünftigen Wein in die Flasche zu bringen…
Was ich suche, sind Weine bei denen man schmecken kann, dass die Beteiligten Spaß daran hatten, sie zu machen, auch wenn es eigentlich harte Arbeit ist.
Es ist ja nicht so, dass ich da nicht ein paar Winzer und Weine kennen würde, aber ich bin immer neugierig auf die Weine, die ich noch nicht kenne…
Twitter-Wein-Tipps
Also hab ich mich mal umgehört bzw. bei Twitter mal die Aussage in den Raum gestellt: “Ich versteh ja nichts von deutschen Weinen, aber wo sind die Weinmacher, die einfach einen guten Job machen? Weine mit Trinkspaß… Dazu ein interessanter Preis, gute Optik und genügend Menge, damit Vermarktung lohnt. Wer hat Tipp? gerne auch #unverbraucht #unbekannt”
Als erste Empfehlung kam gleich eine Retourkutsche von @gutsweine: der Elbling und der Schieferstein vom Margarethenhof aus Ayl… Hat mich gefreut, denn die Weine von Jürgen Weber hab ich seit Anfang der Neunziger, Jahr für Jahr im Glas… Ganz klar, Weine mit viel Trinkspaß und das zu günstigen Preisen! Die Beschreibung der aktuellen Jahrgänge finden Sie hier…
Aber dann gab es jede Menge Empfehlungen: Weingut Meyer (Pfalz) von @gutsweine, @Matthias_Runkel, er wurde vor kurzem von Mario Scheuermann (@weinreporter) wärmstens empfohlen, da tolle Weine zu günstigen Preisen.
http://www.winzerhof-stahl.de (Franken), http://www.weingut-wiesler.de (Baden), http://www.evavollmer-wein.de (Rheinhessen), http://www.weingut-peifer.de (Mosel) sind weitere Empfehlungen von @weinreporter
http://www.weingut-wischer.de/ (Franken) wird von @DonSimon_ empfohlen für seinen süffigen Silvaner… (haben fast 100 verschiedene Weine im Angebot)
Lukas Krauß (Pfalz) und Alexander Laible (Württemberg) werden von Stephan Reinhardt (@weinwisser) beigesteuert
Karl Pfaffmann (Pfalz), Theo Minges (Pfalz) und Zehnthof Luckert (Franken) bringt dann @DonSimon_ als Nachtrag… Wobei gerade der Zehnthof Luckert auch von @weinwisser gelobt wird für den Müller und für den Gelben Muskateller
Weingut Werner Clemens in Ellenz-Poltersdorf (Mosel), eine Empfehlung von @wernerelflein
http://www.longen-schloeder.de/ (Mosel) kommt von @frhanna0
Weingut Thul (@ritsch) (Mosel) präsentiert sich selbst gekonnt auf Twitter
und diese zwei sehr eifrigen Twitterer hab ich gleich mal direkt angesprochen… @stantonywinery (Rheinhessen), @Wuertz (Rheinhessen)
Weintipps – ganz traditionell
Ich hab mich aber auch so ein wenig umgehört und in meinem Gedächtnis gekramt und es kam eine ansehnliche Liste an bekannten und weniger bekannten Weingüter, die ich in meine Überlegungen mit einbeziehen werde:
Künstler (Rheingau), Dr. Loosen (Mosel), van Volxem (Saar), Bassermann-Jordan (Pfalz), Rudolf Fürst (Franken), P.J. Kühn (Rheingau), Jürgen Leiner (Baden) und dazu Marius Meyer (Pfalz), der mich die Tage mit einem sensationellen Weißburgunder überrascht hat und der junge Jürgen Hofmann aus Röttingen (Franken), der mit seinem Silvaner das Stechen gegen den pur mineral von Fürst gewonnen hat.
Und dann wären da noch die 4 Musketiere, die sich gemeinsam aufgemacht haben, Lettland zu erobern: Hiestand (Rheinhessen), Braun (Pfalz) und Weingut Hammel & Cie (Pfalz) und der Margarethenhof aus Ayl (Saar).
Im nächsten Schritt muss ich mir überlegen, wer in die engere Wahl kommt, Proben anfordern und verkosten… Ich werde berichten!
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Ich habe mich beim Thema “Deutsche Wein” ein wenig auf die Weißweine konzentriert, da hier eindeutig unsere Stärken liegen. Und es gibt Sie noch, die unbekannten und unverbrauchten deutschen Winzer, jenseits der großen Namen wie etwa ein Robert Weil (Mehrheit in japanischer Hand), Schloss Vollrads oder Schloss Johannisberg, alle aus dem Rheingau. Aber wer gerne 10,- € und mehr zusätzlich für den Namen bezahlen möchte…..bitte.
Hier zum Beispiel ein Weingut aus dem Rheingau – gleiche Gegend wie oben genannte – das Weingut Helmut Hanka (www.Helmut-Hanka.de). Seine Riesling Spätlese ist vom Preis her unschlagbar.
Oder ein sehr sauberer Riesling von der Mosel. Ja richtig, die Moselweine scheinen zur alten Stärke zurück zufinden. Hier findet man in Zell-Merl das Weingut Kallfelz (www.kallfelz.de). Sein Weine wurden z.B. bei der Berlinale 2009 ausgeschenkt und in den letzten Jahren findet man seinen Namen bzw. Weine immer unter den Ersten der DLG Ranglisten. Das Interessante ist, es handelt sich hier um einen Direktvermarkter.
Bei den deutschen Rotweinen tue ich mich etwas schwerer. Vielleicht liegt es an meiner früheren Nähe zur Baadischen Weinstrasse bzw. zum Spätburgunder vielleicht auch daran, das viele deutsche Weine einfach den Zusatz von Zucker benötigen um einen Alkoholgehalt von 13 – 14% zu erreichen, wie es bei südlicheren Anbaugebieten auf (meist) natürlichem Wege erreicht wird.
Eine richtigen Geheimtipp gibt es meines Wissens im baadischen Raum nicht mehr. Gut gefallen hat mir noch der Spätburgunder der Bassgeige oder von Männle aus Durbach. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. So und jetzt werde ich einen schöne Flasche Tancredi öffnen.
Hallo Herr Kahl,
Danke für den ausführlichen Kommentar! Den erwähnten Wein aus dem Rheingau kenne ich zwar nicht, aber die allgemeine Einschätzung, gerade was die Entwicklung an der Mosel betrifft, teile ich durchaus. Ich bin sicher, dass wir auch in 2010 wieder viele Entdeckungen machen können.
Lieben Gruß
Michael Liebert