Die guten alten Zeiten
Die ägyptischen Weine haben ja nicht gerade den besten Ruf. Noch in den 90er Jahren warnte das amerikanische Außenministerium davor, in Ägypten Alkohol zu trinken, da die Qualitäten derartig schlecht wären. Dabei wurde noch in den 90er Jahren das islamische Alkoholverbot von weiten Kreisen der Bevölkerung im Vergleich zu heute sehr locker interpretiert.
Für die schlechte Weinqualität der letzten Jahrzehnte sollte man den Grund wohl eher im Monopol der einzigen, bis vor kurzem noch staatlichen Kellerei suchen. Das Unternehmen wurde zwar privatisiert und gehört heute zu einem Brau- und Getränkekonzern unter der Führung von Heineken, aber man hat auch so verstanden, sich die Konkurrenz vom Leibe zu halten. Zölle und Abgaben von 300% auf importierte Weine sorgen für die Abschottung gegenüber der ausländischen Konkurrenz.
Der Wein der Pharaonen
Da hilft es auch nichts, dass bereits die alten Pharaonen sehr viel Wert auf einen guten Tropfen gelegt haben und man deshalb in Ägypten fast 6.000 Jahre Weinbaugeschichte dokumentieren kann. Zur Zeit der Pharonen war es das Getränk der Oberschicht und es gab wohl schon damals ein fein abgestuftes Qualitätssystem, wie man es im wine blog von Alder Yarrow nachlesen kann:
“We know from such art, artifacts, and documentation that nearly six thousand years ago in Egypt grapes were grown all over, from the Delta to the upper Nile, in walled vineyards. The grapes were harvested at specific times and crushed with relative sophistication, including the catching and distinguishing between free run juice and pressed wine. The juice was sealed in fired clay wine jugs known as amphorae and left to ferment, with small holes for the carbon dioxide to escape, that were later sealed up after fermentation was complete. Wine was stored in these jugs which were labeled with vintage year, region, and even the winemaker’s name, as well as the name of any king or god that the wine was meant for, and then filtered before drinking.”
Heute werden zwar auf etwa 57.000 Hektar Trauben angebaut, aber nur der kleinste Teil davon wird zu Wein verarbeitet. Das meiste sind Tafeltrauben oder sie werden zu Rosinen getrocknet.
Sahara Vineyards- die neuen PremiumWeine Ägyptens
Es ist mal wieder ein Quereinsteiger, der für den längst fälligen Qualitätsschub sorgt. Karim Hwaidak, ein Deutsch-Ägypter, der in Dortmund geboren und in Kairo aufgewachsen ist. Er ist einer der Pioniere des ägyptischen Tourismus und sein Name ist eng verwoben mit dem Aufstieg von Hurghada zur bekanntesten ägyptischen Urlaubsdestination. Er lebt inzwischen mit seiner Familie in Italien und hat dort seine Liebe zum Wein entdeckt. Und er hat sich sofort die Frage gestellt, warum sollte es nicht möglich sein, an die alte Weintradition seiner Heimat Ägyptens anzuknüpfen?
2004 wurden die ersten Weinreben im Norden des Landes, etwa 50 Hektar außerhalb von Kairo gepflanzt. Inzwischen ist ein weiteres Weingut mit etwa 200 Hektar in der Nähe von Luxor dazugekommen. Damit ist das Unternehmen Sahara Vineyards der größte Traubenproduzent des Landes und kann sich den Luxus erlauben, nur die besten Partien der Trauben für seine eigenen Weine zu verwenden.
Wie Karim Hwaidak in einem Interview so schön anmerkte: “Das Klima ist angenehm berechenbar, die Sommer gleichmäßig warm, es gibt keine störenden Regengüsse oder Gewitter und die Wüste sorgt für relativ große Unterschiede von Tag- und Nachttemperaturen, so dass sich die entsprechende Aromatik entwickeln kann.” Der beratende Önologe und Professor Jose Lluiz Perez ist eine der führenden Persönlichkeiten im Priorat (Spanien) und dort von Anfang an dabei. Sein Mas Martinet hat Kultstatus.
Herr Perez ist mindestens einmal im Monat vor Ort in Ägypten, wie mir bestätigt wurde, und es scheint so, dass er es ebenfalls als persönliche Herausforderung sieht, hier in der Wüste des alten Ägypten einen neuen Wein, einen neuen Premium-Wein entstehen zu lassen. Im Moment experimentiert man noch mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Rebsorten und selbstverständlich müssen die Reben bewässert werden, aber der Wasserverbrauch von Reben ist deutlich geringer als von anderen Kulturpflanzen, vorausgesetzt man setzt auf die moderne, per Computer steuerbare Tröpfchenbewässerung.
Das Ergebnis all dieser Mühen und Überlegungen, die ersten Weine, können sich sehen lassen und bieten eine erstaunliche Qualität, die einfach Spaß macht. Und für Ägypten selbst sind sie eine Zeitenwende, ein Aufbruch in eine Zukunft als Weinland. Wie damals vor 5000 Jahren bei den alten Pharaonen?
Hier geht es zu meinen Verkostungsnotizen der Weine von Sahara Vineyards!
Die Bilder stammen alle von Sahara Vineyards und können hier als pdf-Broschüre heruntergeladen werden:
http://www.saharavineyards.com/media/files/press-kit.pdf
Insgesamt eine sehenswerte website: http://www.saharavineyards.com
Ein Artikel von Jancis Robinson über Sahara Vineyards
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