Brunello-Skandal – Weingüter und Gründe
20. August 2009 | Von Michael Liebert | Kategorie: Aktueller Weintipp, News - italienische Weine
Die Zukunft des Brunello di Montalcino
Die Zukunft ist geklärt, im Oktober haben sich die Mitglieder des Consorzio ziemlich eindeutig für die Beibehaltung der alten Regeln ausgesprochen. Das heißt, sowohl der Brunello, als auch der Rosso di Montalcino dürfen, wie bisher, ausschließlich aus Sangiovese gekeltert werden.
So ändert sich eigentlich nichts und doch sehr viel! Die Diskussion, auch beim Brunello eine geringe Menge an Cabernet, Merlot, Syrah und Co. verwenden zu dürfen, wurde bereits seit Jahren geführt und es gingen wohl etliche Weingüter davon aus, dass diese Lockerung kommen wird. Und wie das so ist in Italien, hat man sich auf diesen Tag x vorbereitet… Und wer dann einen wunderschönen Cabernet im Weinberg hängen hat, kann schwer wiederstehen, damit seinem Top-Wein auf die Beine zu helfen. Die Weine bekamen damit mehr Frucht, einen weichen, stoffigen Kern, wurden dunkler und geschmeidiger… Das kann doch nicht falsch sein?
Es war ein offenes Geheimnis, dass einige Weingüter von dieser Möglichkeit Gebrauch machten und es waren illustre Namen, die dabei genannt wurden. Eigentlich wäre es ja die Aufgabe des Consorzio, über die Einhaltung der Regeln zu wachen, aber das Consorzio verstand sich in den letzten Jahren als Partner der Weingüter und nicht als Sheriff. Und wer verdirbt es sich als Vereinsvorsitzender schon gern mit den einflussreichsten Mitgliedern?
Nachdem PR-Gau zur VinItaly 2008 sehen die Verantwortlichen die Sache wohl anders und werden in Zukunft sehr genau auf die Einhaltung der Regeln achten. Somit hat sich für italienische Verhältnisse sehr viel verändert.

Montalcino – die Namen der Missetäter
Im gerade vorgelegten Abschlußbericht der italienischen Behörden wurden nun Namen und Zahlen genannt. Die sieben folgenden Weingüter wurden auf Beanstandungen überprüft: Antinori, Argiano, Banfi, Casanova di Neri, Marchese de Frescobaldi, Biondi Santi und Col d’Orcia.
Biondi Santi und Col d’Orcia konnte keinerlei Fehlverhalten nachgewiesen werden.
Den anderen fünf Weingütern wird vorgeworfen, Rebsorten verwendet zu haben, die für den Brunello di Montalcino nicht zugelassen sind, da dieser zu100% aus Sangiovese gekeltert werden muss. 17 Personen haben in diesem Zusammenhang eine Anzeige bekommen.
Sowohl Banfi als auch Argiano bestreiten die Vorwürfe, von den anderen drei Kellereien gibt es keine Aussage.
Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Interview des amerikanischen Blogger Jeremy Parzen mit einem kleinen Produzenten in Montalcino. Er spricht von einer Auseinandersetzung David gegen Goliath und nennt Gründe, warum diese Geschichte überhaupt publik wurde.
Das Interview mit dem kleinen unbekannten Produzenten aus Montalcino
Brunello di Montacino – der Skandal in Zahlen
6,7 Millionen Liter Brunello di Montalcino wurden beschlagnahmt und immerhin 20% zu Toscana Rosso IGT deklassiert. Beim Rosso di Montalcino, Chianti Classico und Toscana Rosso wurden 1,7 Millionen Liter beschlagnahmt und davon verloren immerhin 40% ihre Namensrechte und 100.000 Liter wurden direkt der Destillation zugeführt (was dann aber wohl nicht nur an den nicht zugelassenen Rebsorten lag…)
Immerhin standen 400 Hektar Weinberge in Montalcino im Verdacht, mit nicht zugelassenen Rebsorten bepflanzt zu sein. Von diesen sind aber inzwischen 350 Hektar wieder gesetzeskonform (was immer das heißt).
Brunello di Montalcino – Stimmen zu 2004 und 2005
Meine Meinung über den Jahrgang 2004 hab ich ja bereits mit den ersten Verkostungsnotizen in Montalcino kundgetan.
Hier eine weitere, sehr kritische Stimme von Franco Ziliani zum Jahrgang 2004 und ein Ausblick auf 2005:
I do not believe that the 2004 vintage is a great one. It doesn’t reach the level of classic vintages like 1999 and 2001.
It might have been overestimated and presented as being great than it really is for the sole reason that it “had to be” the upswing vintage following the big “mess” of the Brunello scandal and the mediocre and anomalous 2003 vintage. Many of the wines are thin, lacking precision, and with little personality.
Many wines are clearly the children of higher yields (the 2004 vintage was abundant throughout Italy) and they lack concentration and meatiness. Many wines show green tannin.
Der ganze Artikel in der amerikanischen Übersetzung:
Franco Ziliani on Montalcino: “It will take courage, strength, and responsibility to turn the page.”
bzw. im Original:
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