Brunello di Montalcino – die eigentlich Krise
17. November 2009 | Von Michael Liebert | Kategorie: News - italienische Weine
Viel wurde in den letzten Monaten über den Skandal in Montalcino und den damit verbunden Absatzeinbußen berichtet. Verunsicherte Käufer, Einfuhr-Beschränkungen durch die Amerikaner, die schwierigen Jahrgänge 2002 und 2003, und jetzt auch noch die weltweite Wirtschaftskrise. Und doch meine ich, dass das eigentliche Problem ganz wo anders gesucht werden muss.
Brunello di Montalcino – der Boom
Kaum jemand macht sich bewusst, welch rasante Entwicklung das kleine beschauliche Städtchen Montalcino in den letzten Jahrzehnten, in den letzten Jahren hingelegt hat.
Auf einer Ausstellung im Jahre 1933 in Siena haben ganze 4 Weingüter aus Montalcino ihren Brunello präsentiert: Biondi-Santi, Angelini, Barbi und Roberto Franceschi. Nur zwei davon, Biondi-Santi und Angelini haben zu der Zeit bereits regelmäßig einen Brunello abgefüllt. Und hier die Entwicklung der letzten Jahre:
Brunello di Montalcino 1975
800.000 Flaschen Brunello von ca 25 Produzenten
Brunello di Montalcino 1985
1.800.000 Flaschen Brunello von 95 Produzenten
Brunello di Montalcino 1995
3.500.000 Flaschen Brunello von 120 Produzenten
Brunello di Montalcino 2004
6.700.000 Flaschen Brunello von 250 Produzenten
Vom aktuellen Jahrgang 2004 gibt es somit fast doppelt so viel Brunello, wie im Boomjahr 1999 vom damals gefeierten Brunello di Montalcino 1995.
Ob die Zahl der Weintrinker in diesen 10 Jahren von 1999 bis 2009 im gleichen Maße gestiegen ist? Diese zusätzliche Menge zu verkaufen, wäre auch nicht einfach geworden, wenn aus der Sicht der Winzer von Montalcino alles optimal gelaufen wäre…. Somit eine typische Blase, wie wir in den letzten Jahren ja einige erlebt haben.
Brunello di Montacino – die Probleme
In Montalcino herrschte bis vor kurzem eine Goldgräber-Stimmung. Es wurden unglaubliche Summen investiert. Ein Weingut nach dem anderen wurde buchstäblich aus dem Boden gestampft. Aber auch in einer Gegend wie Montalcino sind Spitzenlagen rar. Und manche Lage bringt zwar einen guten Wein, aber eben keinen Spitzenwein.
Auch wenn enorme Summen in Keller und Weinberge investiert wurden, und wohl kaum irgendwo sonst in Italien eine solche Konzentration von Wein-Wissen vorzufinden ist, Top-Qualitäten entstehen im Weinberg. Und gute Lagen kann man nicht mit dem Bulldozer schaffen. Sie brauchen Zeit sich zu entwickeln.
Ein neu angelegter Weinberg trägt zwar ab dem 4. Jahr und ab dem 7. Jahr hat man einigermaßen vernünftige Mengen. Aber um wirkliche Spitzenweine zu erzeugen, sollten die Rebstöcke 10-15 Jahre alt sein. Noch besser, ich kann auf Rebanlagen zurückgreifen, die 25 Jahre und mehr auf dem Buckel haben.
Durch die hohen Investitionen war der wirtschaftliche Druck enorm. Ein Hektar Weinberg wurde in den Boomjahren mit 300-500.000 Euro bewertet. Bei einem Ertrag von maximal 8.000 Kilogramm pro Hektar (das entspricht in etwa 6.500 Flaschen) sind somit die Kapitalkosten pro Flasche für eine einigermaßen vernünftige Verzinsung meines Einsatzes enorm. Einen schlechten Jahrgang, einen geringeren Ertrag kann ich mir kaum erlauben.
Brunello di Montalcino 2009 – der nächste große Jahrgang
Leider können wir diese These erst im Februar 2014 überprüfen. Die Basis für diese These sehe ich auch gar nicht im besonders tollen Sommer 2009. Ganz im Gegenteil. Die große Hitze, der fehlende Regen, die frühe Lese, deuten eher auf einen schwierigen Jahrgang hin.
Aber endlich ist der wirtschaftliche Druck weg. Es geht wieder darum, einen richtig guten Wein zu machen. Und wenn deswegen der Hektarertrag etwas zurückgefahren werden muss, spielte das in diesem Sommer wohl keine Rolle. Die Lager sind voll, mittelmäßige Weine lassen sich nicht verkaufen… Also hatten die Weinmacher endlich mal wieder freie Hand und werden alles daran setzen, Top-Qualitäten zu erzeugen.
Freuen wir uns auf wieder richtig gute Brunello in den nächsten Jahren.
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