In den letzten Monaten sind etliche Artikel zum Thema “Riesling 2009″ erschienen. Hier ein “Überblick zu Riesling 2009“. Und hier aktuelle News – deutsche Weine.
Erntebericht von der Saar – van Volxem im Herbst 2009
Roman Niewodniczanski von Van Volxem aus Wiltingen/Saar äußert sich im Forum talk-about-wine.de zum aktuellen Jahrgang:
Hallo Forum,
nun auch eine kurze Meldung zum Pegelstand 2009 hier an der Saar:
Ich bedaure den wieder einmal (typisch deutschen) kritischen Unterton in einigen Berichten hier im Forum ebenso wie in der Presseberichterstattung (Beliner Tagesspiegel, FAZ u.a.) zum Jahrgang 2009.
Auch wenn die Erntemengen in den Schiefersteillagen der Saar in 2009 wegen des kaltnassen Juni wieder einmal sehr gering sind (auf Van Volxem rechnen wir mit durchschnittlich knapp 40 hl/ha), fällt es uns schwer, unsere Begeisterung über die außerordentlich hohe Güte der Trauben dieses Ausnahmejahrgangs zu unterdrücken.
Lediglich die Trauben der jüngeren Rebanlagen erreichen bei nicht radikal erfolgter Ausdünnung aufgrund der Trockenheit in den Sommermonaten nicht die erhoffte Qualität.
Nachdem wir vor etwa zwei Wochen mit der selektiven Vorlese (Entfernung überreifer Trauben) der Weinberge sowie der Lese der Burgundersorten begonnen hatten, gönnen wir uns heute aufgrund der relativ stabilen Wetterlage mit dem Beginn der Winterzeit einen lesefreien Erholungstag für unsere 45 Erntehelfer. Derzeit hängen noch 19 unserer 42 ha Schiefersteillagen – weitestgehend gesund, da vorgelesen. Die wirklich herrlichen Aromen reichen von reifem Pfirsich über Aprikosenconfit bis zu Litschi, Orangeat und Muskatblüte.
Die Spitzenlagen Wiltingen Braunfels, Volz, Scharzhofberg und Gottesfuß sowie Kanzem Altenberg und Wawern Goldberg sind von uns derzeit noch kaum angerührt worden. Wir umkreisen und nähern uns mit unseren bienenfleißigen Lesemannschaften quasi langsam unseren besten Weinbergen. Zur Eile sehen wir keinen Grund, obwohl die physiologische Reife über Photosynthese der Blätter in vielen unserer Weinberge seit zwei starken Frösten Mitte vergangener Woche weitgehend beendet ist. Glücklicherweise waren die Trauben dank geringer Erträge und perfekter Bedingunden bereits vor dem Frost so reif, daß wir den Verzicht auf weitere, physiologische Mostgewichtszunahme nicht füchten. Ganz im Gegenteil freuen wir uns, daß die Mostgewichte auch in den Spitzenlagen der Saar die 100°-Grenze bis jetzt nicht überschritten haben und hoffen auf weitere Aroma-Zunahme insbes. durch natürliche, enzymatische Prozesse in den Beeren im Anschluß an die Frostnächte.
Ein gestriger Kontrollgang durch den Scharzhofberg ergab perfekt reife, gesunde und traumhaft aromatische Trauben auch in den Weinbergen meiner Kollegen Egon Müller und Kesselstatt, die ihre Spitzenlagen auch noch nicht gelesen haben.
Die Säuren der perfekt gelben und hoch aromatischen Moste sind bei uns mit Ausnahme der Trauben junger Reben weitestgehend stabil bei 7 bis 9 Promille. Wir rechnen mit fast reinen Weinsäuren, was der Bekömmlichkeit der 2009er sicher gut tun wird. Bis jetzt war 2009 aus unserer Sicht insbes. ein Spitzenjahr für harmonisch trockene Weine. Mit den höheren Temperaturen in der kommenden Woche hoffen wir aber auf eine Zunahme der Botrytis, sodass wir auf Van Volxem dann erstmals seit langem wieder die Rosinen für edelsüße Weine finden.
Wenn aus unserer Sicht von den relativ niedrigen Erträgen abgesehen überhaupt irgendein Problem im Jahrgang 2009 zu finden sein sollte, so ist es die vielleicht etwas zu hohe Reife/Güte der Trauben für unsere Gutsweine Schiefer und Saar Riesling, deren niedrigste Mostgewichte 89° kaum unterschreiten. Die entsprechenden Weine werden somit in 2009 gehaltvoller sein als in 2008, was aber eigentlich auch kein wirklich großes Problem darstellen sollte.
Ich hoffe, dieser Zustandsbericht wird nicht als blöde Werbung für Van Volxem missversanden. Er ist vielmehr ganz persönlicher Ausdruck größter Begeisterung!!! Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß dieser wahrscheinlich spektakulär gute Jahrgang insbesondere in den kühleren Seitentälern der Mosel (u.a. Ruwer und Saar) vielen bisher noch wenig bekannten Winzertalenten die Möglichkeit bot und bietet, in den kommenden Jahren mit in Blindproben herausragenden 2009er Weinen aufzufallen. Alle wirklich fleißigen Winzer, die ihre Qualitäten zu allererst mit guter handwerklicher Weinbergsarbeit zu erzeugen wissen, werden in 2009 jedenfalls sicher für ihren Fleiß belohnt werden!
Drückt uns die Daumen, daß das Wetter der kommenden Wochen weitgehend trocken bleibt, sodaß wir noch weit in den November hinein lesen können und im kommenden Jahr dann vielleicht von einem großen “Saar-Jahr” sprechen können, wie es mein lieber Freund Nik Weis vom Leiwener St. Urbanshof bereits heute tut.
Herzliche Grüße von der spätherbstlichen Saar,
Roman Niewodniczanski, Van Volxem
PS: Hier ein Video über die Weinlese 2008 bei van Volxem (in der Lage Altenberg)
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