Der Artikel gehört zu einer Serie, die sich mit der Thematik “reife Weine” beschäftigt. Am Ende des Artikels finden Sie die Links zu den anderen Artikeln der Serie…
Um alte Weine ranken sich viele Mythen! Die Vorstellung, dass Wein, gerade Rotwein mit dem Alter im besser wird, hat sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingegraben. In der Realität trifft dies nur auf einen sehr kleinen Prozentsatz der produzierten Weine zu. Fast 95% der produzierten Weine sind für den Verzehr innerhalb der ersten Jahre (zwischen 1 und 5 Jahren) nach der Lese gemacht. Außerdem – was heißt ‘schmeckt besser’?
Reifer Wein schmeckt anders…
Die viel interessantere Frage scheint sich kaum jemand zu stellen. Die Frage nach dem Geschmack. Mögen Sie den Geschmack von alten Weinen? Meine Erfahrung in vielen Seminaren und Diskusionen zeigt mir, dass kaum jemand eine Vorstellung davon hat, wie reifer Wein schmeckt. Und viele können sich dafür auch nicht wirklich begeistern…
In den letzten 20 Jahren konzentrierte man sich beim Wein machen auf die Fruchtaromen, und die sind es wohl auch, die viele Weintrinker heute faszinieren. Und diese Fruchtaromatik tritt bei wirklich reifen Weinen immer weiter in den Hintergrund. Hier ein paar Erklärungen: Was passiert, wenn Wein reift?
Reifen Weinen zollt man Respekt
Es fein gereifter Wein lässt niemand unberührt. Entweder man ist begeistert oder man lehnt ihn ab. Ist ein Wein nicht wirklich hinüber, geht jeder respektvoll damit um und betont lieber die noch verbliebenen Tugenden… Aber den heute so oft beschworenen unkomplizierten Trinkgenuss findet man nicht in alten Weinen. Sie fordern nicht nur eine sorgfältige Lagerung, sondern auch einen gekonnten Umgang.
Aus meiner Erfahrung ist es auch zu einfach gedacht, die jugendlichen, fruchtbetonten Weine dem jüngeren Publikum, und die alten, gereiften Schätze dem wahren Weinkenner zuzuordnen. Sicher, mit der entsprechenden Erfahrung ist das Reifepotential besser einzuschätzen, aber das heißt noch lange nicht, dass man diese Weine bevorzugt. Also auch der Spruch mit ‘den Alten Burgunder für die alten Knaben’ ist nicht zwangsläufig richtig.
Kann man den noch trinken?
…eine Frage, die mir ganz regelmäßig gestellt wird, wenn es um alte Schätze oder Erbstücke geht. Beim Reifeprozess in der Flasche können in keinem Fall irgendwelche giftigen Stoffe entstehen. Somit gibt es im Prinzip keinen verdorbenen oder giftigen Wein.
Also bleiben Sie neugierig, machen Sie ihn auf, probieren Sie ihn, lassen Sie sich darauf ein… Auch wenn es nicht mehr das ganz große Vergnügen ist, so ist es immer eine interessante Erfahrung. Und in vielen Fällen hängt ja auch eine gewisse Erinnerung an dieser speziellen Flasche…
Wann ist ein Wein alt?

Vielleicht die interessanteste Frage! Wann ist ein Wein alt und wann hat ein Wein die richtige Trinkreife?
Ein Vernatsch aus Südtirol ist drei Jahre nach dem auf der Flasche vermerkten Jahr der Lese schon ganz schön alt, während ein Brunello erst im 5. Jahr nach der Lese auf den Markt kommen darf und in diesem Moment noch viel zu jung zum Trinken ist. In meinen Weinbeschreibungen gebe ich normalerweise einen Zeitraum an, in dem er meines Erachtens am Besten schmeckt.
Man kann die Frage aber auch andersrum stellen: Welche Weine eignen sich für die Lagerung?
Weiterführende Artikel
Was passiert, wenn Wein reift?
Welche Weine eignen sich zum Lagern?
Optimale Trinkreife – warum Weine lagern?
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